Die Wirkung von Instrumenten zum wirtschaftlichen Verordnen auf regionaler Ebene am Beispiel der Biosimilars

Die Wirkung von Instrumenten zum wirtschaftlichen Verordnen auf regionaler Ebene am Beispiel der Biosimilars

Projektpartner und Finanzierung: Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi)

 

Projektbeschreibung

Nach über zehn Jahren seit der Einführung des ersten Biosimilars in Deutschland variiert das regionale Verordnungsverhalten der niedergelassenen Kassenärzte für diese Arzneimittelgruppe stark. Ursache könnten divergierende Anreize zum wirtschaftlichen Verordnen, wie zum Beispiel Vorgaben zu Mindestmengen oder der vorrangigen Verordnung von Biosimilars auf regionaler Ebene sein. Im Rahmen der Projektförderung Versorgungsforschung 2016 des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi) untersuchen wir den Einfluss verschiedener Steuerungsmechanismen auf das Verordnungsverhalten der Ärzte.

Zusammenfassung (Quelle: Abschlussbericht an das Zi)

Einleitung

Biosimilars sind im Vergleich zu Originalpräparaten durchschnittlich 25 Prozent günstigere, äquivalente, biopharmazeutisch hergestellte Arzneimittel. Obwohl nur vier Prozent der Versicherten Biologika erhalten, sind diese für 21 Prozent der Arzneimittelausgaben verantwortlich. Zudem variiert der Anteil von Biosimilarverordnungen regional stark. Das Ziel dieser Analyse ist die Untersuchung des Einflusses der Einführung von Regulierungen (Quoten, Vorgaben zum Prioritären Verordnen) seitens der kassenärztlichen Vereinigungen (KV) auf das Verschreibungsverhalten von Ärzten.

Methodik 

Datengrundlage sind die Arzneimittelvereinbarungen der KVen und Datensätze nationaler ambulanter Leistungen und Verschreibungsdaten für den Zeitraum 2009-2015, bereitgestellt durch das Zi. Es werden die Wirkstoffe Erythropoiesis stimulierende Agenten (ESA) Filgrastim sowie Somatropin untersucht. Mithilfe eines linearer Regressionen und einer geeigneten Identifikationsstrategie (Lagged-Dependent-Variable-Ansatz / Differnence-in-Difference Analyse) wird das Verschreibungsverhalten von Ärzten in KVen mit Regulierung mit Ärzten in KVen ohne Regulierung verglichen. Unabhängige Variablen sind der Anteil von Biosimilarverordnungen, die Zahl der Verordnungen von Biologika und Biosimilars sowie die Kosten pro DDD zum Bruttoverkaufspreis. Es wird für regionale Unterschiede und Praxischarakteristika kontrolliert.

Ergebnisse

Nach Berücksichtigung von Konfundierungsvariablen war für die häufig verschriebenen Wirkstoffe ESA und Filgrastim die Biosimilarquote von Praxen in KV-Regionen mit Vorgabe zum wirtschaftlichen Verordnen durchschnittlich um 4.11 – 7.32 Prozentpunkte höher. Für die Wirkstoffgruppe ESA führte die Einführung einer Maßnahme in den KVen, für die kausale Effekte untersucht werden konnten zu einer signifikant höheren Biosimilarquote, wobei die Gesamtzahl der verordneten Biologika in der Praxis abnahm. Dagegen zeigten die Ärzte keine Reaktion auf die Einführung von Maßnahmen bei der Verschreibung von Somatropin. Die Stärke der Effekte unterscheiden sich nach Verordnungsvolumen in der Praxis sowie nach der Vorerfahrung des Arztes mit Biosimilars (Adoption).

Diskussion

Der Effekt der Regulierung bezüglich der wirtschaftlichen Verordnung von Biosimilars ist nicht einheitlich. Es gab keine wesentlichen Unterschiede in der Wirksamkeit der Regulierung abhängig von der Einführung expliziter Quoten oder Vorgaben zum prioritären Verordnen. Aufgrund nicht beobachtbarer Faktoren wie Preisreaktionen der Hersteller durch Festbeträge und Rabatt- bzw. Open Houseverträge lässt sich nicht abschließend feststellen, ob die Maßnahmen zu Kosteneinsparungen geführt haben. Die Effekte werden jedoch von der Preissensitivität der Ärzte beeinflusst.

Referenzen

  • K E, Blankart; F, Arndt: Physician-Level Cost Control Measures and Regional Variation of Biosimilar Utilization in Germany. In: International Journal of Environmental Research and Public Health, Jg. 2020 (2020) Nr. 17. doi:https://doi.org/10.3390/ijerph17114113